Mexiko(5) über Schmetterlinge, Pyramiden, einer 23 Millionen-Stadt und einem Fluss mit 38° warmen Wasser

Unser nächstes Ziel waren am 19.03.2014 die Monarch Schmetterlinge. Gerade noch rechtzeitig, denn zur Tages- und Nachtgleichzeit, wenn Tag und Nacht gleich lang sind, verschwinden diese Tierchen und machen sich auf den langen Rückweg nach USA und Kanada zu den großen Seen auf. Und diese Tages- und Nachtgleichzeit ist am 20./21.3. eines jeden Jahres.

Über 55 Millionen Schmetterlinge überwintern und paaren sich hier in den Wäldern auf über 3.000 Höhenmetern von El Rosario und Umgebung. Es ist schon Nacht als wir den Parkplatz dieses Naturschutzgebietes erreichen. Auf der Anfahrt fragen wir uns des öfteren: Sind wir noch auf der richtigen Straße? Keine Wegweiser sind zu finden in dieses bekannte Gebiet und auch die Straßenführung gleicht mehr von Seitenstraßen in einem Armenviertel als einer Zufahrt zu den Monarch Schmetterlingen. Dann steigt in dieser Höhe auch noch das Navi aus. Die Stromkabel hängen extrem tief, aber egal, es ist Nacht und wir sehen sowieso nichts. Der Kopf brummt gewaltig, zu schnell sind wir in diese Höhenlage gefahren. Aber da wir keinen anderen Übernachtungsplatz fanden der uns sicher erschien, nahmen wir das Kopfweh in Kauf. Um 6.00 Uhr klingelt bereits der Wecker am nächsten Morgen, denn wir wollen die Trauben von Schmetterlingen sehen wie sie an den Bäumen hängen. Was wir zu dieser Zeit noch nicht wussten, die Kassenhäuschen machen erst um 8.00 Uhr auf und es gibt auch Pferde mit denen man den mühsamen Aufstieg auf ca. 3.300 Höhenmetern meistern kann. Aber die Pferde samt ihren Guides kommen erst um 9.00 Uhr, da sind wir mit unserem Führer (das ist Pflicht) schon längst zu Fuß unterwegs und meistern den mühsamen Aufstieg.

Wie vertrocknete Blätter hängen die Schmetterlinge, dicht an dicht, in den Bäumen und erst beim genaueren hinsehen kann man diese als Schmetterlinge erkennen. Mit den ersten Sonnenstrahlen öffnen sich dann die Trauben und es schwirrt nur so von Butterflys.

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Die Sonne will allerdings nicht so recht rauskommen und so fahren wir einen anderen Platz an, der für die Schmetterlinge bekannt ist, um diese ein zweites Mal am nächsten Morgen, hoffentlich bei mehr Sonnenschein, zu beobachten. Wir entscheiden uns zwischen den anderen Schmetterlings- Gebieten, der Sierra Chincua und Valle de Bravo (übrigens ein nettes Promi- Städtchen an einem künstlich angelegten See) für das Letztere und dort für das Gebiet Piedra Herrada, ca. 50 Kilometer nördlich der Stadt. Aber dieses Gebiet liegt ca. 200 Meter tiefer und wir hatten kein Glück mehr. Die Schmetterlinge waren bereits fort, die Schwärme von Schmetterlingen, bei denen sogar Straßen gesperrt werden, wenn diese sich aufgrund der riesigen Anzahl in der Sonne tummeln, konnten wir leider nicht mehr beobachten.

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Auf dem Trailerpark in San Juan Teotihuacan blieben wir 4 Tage, trafen dort die Engländer Naomi und Nick aus London mit ihrem MAN- Truck und ihrem Hund Boris. Dieser wollte immer zu uns ins Fahrzeug, anscheinend hatten wir die frischere Wurst im Kühlschrank.

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Und auch Mario und Steffi aus der Schweiz mit ihrem Land Rover waren hier. Mit diesen verweilten wir hier mehrere Tage, holten uns Pizzas und tranken Abends einige Flaschen Wein bei bester Unterhaltung. Mario konnte als Elektriker auch mal am Unimog Hand anlegen und hat ein Zusatzkontrollpanel, das ich aus Deutschland mitgebracht habe, am Wechselrichter angeschlossen. Muchas Gracias nochmals dafür.

Der Aufenthalt auf diesem Trailerpark dauerte so lange, weil die ganze Stadt schon seit einer Woche feiert und das wollten wir miterleben. Ja, die Mexikaner sind Weltmeister im Feiern und wenn der Frühling kommt, dann kann das ganze Dorf schon mal 7 Tage Sause machen. Bereits  morgens um 6 .00 Uhr ertönte die erste Livemusik. Das ging dann den ganzen Tag so weiter. Überall in der Stadt stehen sie, die schick gekleideten Musiker mit ihren Gitarren und anderen Musikinstrumenten, und alle volle Stunde folgten Böllerschüsse. Statuen wurden geschmückt und durch die Straßen getragen, die Frauen und Mädchen trugen Blumenkränze und die Kinder malten Bilder zum Fest. Auf einmal krachte es ca. 200 Meter von unserem Stellplatz entfernt, die oberirdische Stromleitung zischte… es muss was schlimmes passiert sein. Aufgrund der brennenden Stromleitung zogen wir sofort den Stecker aus der Stromzufuhr des Unimogs um schlimmeres zu verhindern.

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Ein riesiger Baum war aus Altersschwäche umgestürzt. Die Stromleitung wurde über 500 Meter lang heruntergerissen, eine Hauswand zertrümmert und ein Auto unter dem Baum begraben. Das Auto und war jetzt nur noch 50 cm hoch. Die Gemeinde wusste laut Trailerpark- Besitzer schon seit Jahren von diesem morschen Baum, hat aber nichts unternommen. Jetzt, mitten in die Festlichkeiten hinein, kam das Unglück. Und noch schlimmer, die Annäherung an diesen Baum um nachzuschauen ob jemand verletzt war, funktionierte nicht aufgrund der riesigen Bienenschwärme, die anscheinend in diesem Baum genistet hatten und jetzt wie wild um sich stachen, so dass die Helfer und Gäste das Weite suchten. Wäre der Baum 200 Meter weiter umgefallen wäre unsere Reise jetzt beendet, dann würde der Unimog auch nur noch 50 cm hoch sein, ok vielleicht auch 60 cm.

Von diesem Übernachtungsplatz haben wir dann auch die Pyramiden von Teotihuacan besucht. Idealerweise sollte man diese Pyramiden schon morgens um 8.00 Uhr besuchen. Ein Taxi bringt einen für 35 Pesos (ca. 2 €) in 10 Minuten vom Campingplatz dort hin. Morgens ist es noch nicht so heiß, den Mond- und den Sonnentempel kann man noch im Schatten besteigen und die Menschenmassen kommen so um 10/11.00 Uhr, dann macht es dort keinen Spaß mehr.

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War schon gewaltig, was die Azteken hier geschaffen haben. Und für die Touristen wird auch ein wenig Show gemacht, dass diese auch zahlreich erscheinen und Eintritt bezahlen.

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Ursprünglich wollten wir weiter nach Tepotzotlan auf den Campground von Pepe, dort unser Fahrzeug abstellen und mit dem Bus/Metro die Megastadt Mexiko-City für 2 Tage besuchen. Aber dieser Abstellplatz war geschlossen, so fuhren wir weiter nach Queretaro. Der Deutsche Alexander Wolf leitet dort eine MAN Werkstatt nach deutschen Richtlinien. Und, da Alemania Unimog mal wieder am Boden lag, blieben wir auf dem streng bewachten Betriebsgelände ein paar Tage und bauten die Ersatzteile ein, die wir von Deutschland mitgebracht hatten. Keine größeren Reparaturen, ein bisschen Service, Auspuff, Filter, das Radio musste erneuert werden und lauter kleinere Dinge, die nicht unbedingt notwendig waren aber das Reisen einfach erleichtern.

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Von dort ging es nach San Miguel de Allende. Aber ohne Reservierung bekommt man schlecht einen Platz auf dem Camping von Hans Weber. Also machten wir eine Reservierung für ein paar Tage später und fuhren, nach einer Übernachtung vor dem Hotel Balneario Ramon (bietet auch Stellplätze für Camper an) weiter nach Dolores Hidalgo. Dieses Städchen ist eigentlich gar nicht so bekannt, uns hat es aber sehr gut gefallen.

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Wesentlich bekannter ist da schon Guanajuato mit seinen bunten Häusern an den Hängen klebend.

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Wir besichtigten die Kathedrale und können nur jedem raten sich für diese Stadt mehr Zeit zu nehmen. Das Mumienmuseum z.B. ist zwar nicht jedermanns Geschmack, aber sehenswert. Hier feiert und zelebriert man den Tod als etwas ganz normales, ja sogar Skelette stehen mit der Speisekarte in der Hand vor den Restaurants. Toll auch die etrem enge Callejito de Besos (die Gasse des Kusses). Überall enge, verwinkelte Gassen und schattig, grüne Plazas.

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Tipp: Eine Busfahrt mit dem Touristenbus. Es ist schon abenteuerlich, wie dieser durch die engen Gässchen fährt und auf der Panoramastraße Plätze anfährt, die wir sonst nie sehen würden. Und mitten auf der Straße gibt es öffentliche Tanzplätze.

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Ja, und neben einer sehenswerten Markthalle mit viel „Gesundem“ findet hier auch ein reges Nachtleben Stadt.

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Und man findet sogar Unimogs in Guanajuato.

nein, das ist nicht meiner.

nein, das ist nicht meiner.

Eine wirklich sehenswerte Stadt. Wir übernachteten in dieser Stadt auf dem Morrill Trailerpark. Die Anfahrt ist für große Fahrzeuge schon abenteuerlich, heute würde ich diesen Platz sicherlich nicht mehr mit dem Unimog anfahren, aber man hat einen tollen Ausblick auf die bunten Häuschen.

Auf dem reservierten Campingplatz von Hans Weber (nur 12 Stellplätze) in San Miguel de Allende trafen wir am Montag ein und blieben bis Freitag. Hans Weber und sein Bruder Walter, da könnte man meinen das sind deutsche Campingplatzbesitzer. Getäuscht, kein Wort deutsch sprechen die zwei Brüder, die hier den unter den Reisenden bekannten Camping- und Tennisplatz betreiben. Der deutsche Vater dieser beiden heiratete eine Mexikanerin und setzte sich bei der Namenswahl wohl durch. Mit Willi trafen wir auf dem Platz hier wieder einen alten Bekannten, mit Helmut und Edda, Uschi und Kai sowie Volker und Margot und auch Hilu und Sigo trafen wir neue Globetrotter mit denen wir die Adressen tauschten.

3 Mercedes- Genrationen unter sich. Der Camping in San Miguel de Allende ist eine Anlaufstelle für fast alle Reisenden auf dem Weg nach Süden.

3 Mercedes- Genrationen unter sich. Der Camping in San Miguel de Allende ist eine Anlaufstelle für fast alle Reisenden auf dem Weg nach Süden.

San Miguel de Allende ist bekannt für seine Kathedrale aus der Kolonialzeit. Auch andere Gebäude sind sehenswert. Allerdings wird mehr und mehr dieses Städtchen von Amerikanern als Überwinterungsplatz aus erkoren.

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Nach San Miguel ging es in die Großstadt Mexiko-City. 120 Kilometer benötigt man um dieses Stadt von Nord nach Süd zu durchfahren. Wir sind Samstag hinein, 120 Kilometer von Nord nach Süd, und Montags wieder raus, 120 Kilometer von Süd nach Nord, das war schon eine Herausforderung. Mit Bety und Pancho hatten wir natürlich das Glück zwei Gebürtige aus dieser Stadt als private Reiseführer zu gewinnen. Wir hatten die beiden im Dezember 2013 auf der Baja getroffen, die Kontaktdaten ausgetauscht und uns beim Besuch der Stadt an sie erinnert. Und dann wurde für uns alles organisiert. Vom bewachten Stellplatz Downtown bis zum Abendessen, einer Stadtrundfahrt mit dem privaten PKW von Pancho bis zum Eis essen, Erklärung der Stadt und…und …und… einfach unglaublich. Und nach dem Besuch dieser Stadt neige ich zu sagen: Vergesst alles, was ihr über diese Stadt bisher an Negativem gehört habt:

Verkehrs- Chaos = Fehlanzeige: Wenn man die Regeln befolgt (die letzte Zahl der Autonummer verhindert die Einfahrt an einem bestimmten Tag; ohne Mexiko D.F.- Kennzeichen darf man erst ab 11.00 Uhr mit dem Fahrzeug und in einem bestimmten Radius fahren) kommt man (fast) ohne Stau aus. O.K. 12 Spuren, 6 für den Verkehr einwärts und 6 für den Verkehr auswärts reichen nicht aus. Da gibt es oberhalb dieser Straßen noch eine vierspurige Autobahn, da kann man sogar 180 km/h fahren ohne geblitzt zu werden. Die Benutzung dieser Schnellstraße wird von der Kreditkarte abgebucht und für diesen Luxus hat nicht jeder das nötige Kleingeld, deswegen sind diese „Autobahnen“ auch recht leer. Wir haben es mit Pancho ausprobiert, die 180 km in Mexiko-Stadt zu fahren, meine ich.

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Smoke und unerträgliche Luft = Fehlanzeige: Wir haben dies nicht erlebt (obwohl es an manchen Tagen schon vorkommen soll.) In keiner anderen Stadt haben wir bisher soviel Bäume und Parks gesehen wie in Mexiko-City. Und Sonntags wird die Innenstadt teilweise für Autos gesperrt. Die Stadt stellt dafür sogar 1000 gelbe Fahrräder zum kostenlosen Ausleihen bereit. Wo gibt es denn so was?

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Kriminalität und täglich mehrere Tote = Fehlanzeige: Das ist alles Media, wie uns Bety und Pancho erklärten. Nicht mehr und nicht weniger wie in jeder anderen Großstadt auch. Und ich kann nach diesem Besuch nichts gegenteiliges behaupten. Oder sehen unsere Reiseführer wie Verbrecher aus?

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Slums und Armenviertel= wir haben`s nicht gesehen: Ja es gibt sie sicherlich und die zwei wollten uns nur die schöne Seite von Mexiko zeigen. Aber wir waren im Süden, Norden, Westen und Osten der Stadt unterwegs und waren absolut beeindruckt von dieser Stadt.

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Und nach dieser Stadtbesichtigung wurden wir noch zum Abendessen in ihr Appartement eingeladen. Mit dazu gesellten sich noch die aus Deutschland stammende und im gleichen Gebäude wohnende Steffi mit ihrem mexikanischen Freund Andres. Ein toller Ausklang für diesen schönen Tag. Und als ich erklärte, der extra für mich reservierte Stellplatz beim befreundeten Mercedes Händler sei „ein bisschen laut“, wurden wir noch am Abend in ein nobles Wohnviertel mit Spezialbewachung gebracht. 10 Polizisten kümmerten sich um uns, damit ja nichts passiert. Danke für dieses tolle Wochenende. Gegeneinladung ist eh schon klar.

Ein weiteres Highlight erfuhren wir nicht von Mexikanern, nein es steht auch nicht im Reiseführer, wir haben es von den Deutschen Helmut und Edda erfahren. In Tolantongo, ca. 200 Kilometer nordöstlich von Mexiko-Stadt, gibt es eine Thermalgrotte. Also fuhren wir nochmals gen Norden um diese zu besuchen. Nicht nur eine Grotte und ein Tunnel mit heißem Wasser fanden wir vor, sondern auch 42 Pocitas (Wasserpools) und einen Fluss mit heißem Wasser. Das ist unglaublich. Ein ganzer Fluss, zwischen 10 und 20 Meter breit, mit 34 bis 38° warmen Wasser, und das 24 Stunden am Tag. Hier ließen wir die Seele baumeln. Da sag noch einer, Mexiko ist kein Reiseland. Das ist doch toll hier.

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Ist das nicht ein toller Stellplatz? Seht Ihr den Unimog?

Mutterseelen Allein stehen wir hier direkt am Fluss. Das geht allerdings nur unter der Woche. Am Wochenende ist dieser Platz für Zelte reserviert.

Mutterseelen Allein stehen wir hier direkt am Fluss. Das geht allerdings nur unter der Woche. Am Wochenende ist dieser Platz für Zelte reserviert.

 

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