Mexiko(7) und plötzlich waren wir wieder in…..

IMG_0307Eine Nacht musste ich schlafen und überlegen, wie wir jetzt unser Hinterachsproblem lösen können, ohne noch größeren Schaden an der Hinterachse anzurichten. Nachdem kein Abschlepper uns an den Haken nehmen wollte, oder konnte, und auch alle Möchtegern- Helfer aus dem kleinen Dorf keine Lösung für uns hatten, haben wir es letztendlich auf „eigener Achse“ versucht und sind in den 30 Kilometer entfernt nächst größeren Ort Acayucan nur mit „Vorderachsantrieb“ gefahren. (Für was ein Allrad -Vierrad- Antrieb- nicht alles gut ist.) Die Geschwindigkeit 25 bis 35 km/h war dann doch recht ungewohnt, da man mehr auf den hinteren als den vorderen Verkehr achten muss, aber es galt durch Geschwindigkeits- Reduzierung weiteren Schaden zu verhindern.

In Acayucan angekommen konnte uns auch keine Werkstatt weiter helfen und wir wurden auf die 120 Kilometer entfernte, nächst größere Stadt Coatzacoalcos und dort an eine ansässige Mercedes- Werkstatt verwiesen. Die andere Alternative wäre gewesen 300 Kilometer weiter in genau die andere Richtung nach Veracruz zu fahren, auch dort gibt es eine DB Werkstatt. Dies hätte den Vorteil gehabt bei Feststellen eines vermeindlich unreparierbaren Schaden`s auch gleich von Veracruz nach Hause zu verschiffen, denn dies ist der einzige Verschiffungshafen nach Deutschland von Mexiko aus. Wir wollten aber an so eine Entscheidung nicht denken, vertrauten auf die „Sternenfabrik“ und fuhren nach Coatzacoalcos, schön brav mit verkehraufhaltenen 25/35 Kilometer die Stunde. Durch fahren nur mit der Vorderachse wurde die Antriebskraft verteilt, die Hinterachse entlastet und somit die Geräusche minimiert. Das haben wir festgestellt, indem Inge langsam mit VA- Antrieb fuhr und ich die Geräusche an den Hinterrädern überprüfte.

nicht weiter zu empfehlen, die Mercedeswerkstatt Jolta in Cuatzacoales

nicht weiter zu empfehlen, die Mercedeswerkstatt Jolta in Cuatzacoalos

Die dort ansässige Mercedeswerkstatt Jolta (Transismica no. 900,
Coatzacoalcos, 833.212-7496; 921.212-7496) ist nicht weiter zu empfehlen. Nach „2 Tagen Wartezeit“ erfuhren wir, dass sie keinen Unimog anlangen aufgrund fehlender Werkzeuge. (Hinweis: ein Unimog braucht eigentlich keine Spezialwerkzeuge) „2 Tage warten auf nichts“, das hätte man auch in 5 Minuten erklären können. Ich brach dann dort die Zelte ab und fuhr zu Pio in der selben Stadt. Seine Spezialwerkstatt für aufbereitungsfähige Teile wie Kupplung, Anlasser und Sonstige, ist ein Tipp für alle, die schnell und ohne Ersatzteilimport Hilfe benötigen.

Pio half uns in Cuatzacoalcas, nachdem Mercedes in dieser Stadt in voller Linie versagte

Pio half uns in Coatzacoalcos, nachdem Mercedes in dieser Stadt in voller Linie versagte

Pio, der Besitzer, konnte mir zwar den Unimog auch nicht reparieren, aber er half mit stundenlangem telefonieren und dem Versuch einen günstigen Sattelschlepper zu finden, der uns nach Mexiko-City bringt, möglichen Firmen die ein solches Fahrzeug zur Reparatur annehmen, genauso wie mit der Bereitstellung eines Stellplatzes, Frischwasser, Strom usw. Alles umsonst,… Geld nimmt er dafür keines, wir sind ja Gast in seinem Land.

Es hilft alles nichts, der Sattelschlepper ist mit 5.000 US$ zu teuer und keiner will, da die Antriebswelle in einem Schubrohr liegt und kein Kreuzgelenk oder eine drehende Welle sichtbar ist, an den Unimog ran. Ich selbst habe das nötige Equipment und Werkzeug nicht dabei und bin auf Hilfe angewiesen. Ohne großen Wagenheber und einige Helfer geht bei der Demontage dieser 50 Kilo- Teile gar nichts. Ich muss zurück nach Mexiko-City, 650 Kilometer nur mit der Vorderachse fahrend und nur 25 bis 35 km schnell. Wir haben dort ja unsere Freunde Bety und Pancho, die organisieren alles für uns und Unimog-Mexiko wartet auf uns, um das Fahrzeug zu reparieren. Auf geht’s auf die langweilige Reise zurück in die Mega-Stadt, hoffentlich hebt der Bock.

Da wir früher als geplant die Vororte der Hauptstadt erreichen, aber erst Montag an der Unimog- Werkstatt auftauchen können, diese zudem Downtown liegt und wir somit erst ab 11 Uhr „einfahren“ können (Gesetz), treffen wir uns Sonntags mit Bety und Pancho in der vorgelagerten Stadt Tepoztlan. IMG_0456 Pancho hat sich kurzfristig eine neue KTM 1190 gekauft die getestet werden muss, so kommen die beiden mit dem Motorrad und bringen auch gleich ihre Motorrad fahrenden Freunde mit. Wir frühstücken zusammen im Restaurant La Finca, dessen Unimog interessierter Besitzer uns kostenlos auf seinem Areal nächtigen lässt.

 

Anschließend laufen wir alle hoch zur Tepoztlan`s Haupt- Attraktion, der Pyramide. Ein bei dieser Hitze anstrengender Aufstieg. Wir genießen den Tag, essen Eis und trinken das mexikanische Spezialgetränk Michelada (Biermischgetränk bestehend aus Bier, Salz, Limettensaft mit Tabasco oder Maggisauce, Glasrand mit Chillysoße garniert), bevor wir uns am Abend wieder verabschieden.

Am nächsten Tag geht es zu Unimog in die Mega-Stadt, noch am selben Tag zerlegen wir das Fahrzeug und finden nach 5 Stunden auch den Fehler. Bei der Antriebswelle zum hinteren linken Rad hat sich die Verzahnung abgeschert, wahrscheinlich aufgrund der vielen Topes. Da hilft alles nichts, Ersatzteile aus Deutschland müssen her. Montag Fahrzeug zerlegt, Montag Nacht noch die Ersatzteile bestellt, am Mittwoch sind diese bereits auf dem Weg nach Mexiko.

Wie konnte dies passieren? Meine Frage im Unimog Forum beschäftigt seither die Gemüter. Über 150 Antworten sind dort mittlerweile in diesem Forum auf meine Frage hin eingegangen, selbst die Achsenabteilung von Mercedes schaltet sich ein. Ob Topes, Vorschaden, Materialfehler, fahren mit Sperren, Übergewicht auf der Hinterachse, nur „aufgestecktes“ Stirnrad oder einfach nur Pech, alles wird diskutiert. Am wahrscheinlichsten ist die serienmäßige Trockenmontage. Mittlerweile werden die Steckachsen nicht mehr trocken verbaut, sondern richtig gefettet. Das war bei meinem Modell noch anders.

Jetzt müssen wir die Wartezeit überbrücken. Aber das fällt in einer 23 Millionen- Stadt nicht schwer, zumal wir ja mit Bety und Pancho zwei Einheimische haben, die gewillt sind uns die Stadt zu zeigen. Es ist uns schon fast peinlich, wir dürfen nirgends bezahlen. Immer wenn ich den Geldbeutel aufmachen will kommt Pancho… schon alles bezahlt. So besuchen wir die mexikanischen Meisterschaften im Lucha Libre (mexikanisches Wrestling), sitzen dort in der ersten Reihe und wundern uns, das dort doch nicht alles Show ist, sondern die Jungs sich doch tatsächlich „manchmal“ richtig prügeln und auch verletzen. Wenn ich`s nicht mit eigenen Augen gesehen hätte, ich hät’s nicht geglaubt.

….und nach so einem Event geht man auf die Straße und lässt sich für 100 Pesos (5 €) ein Ständchen spielen. Diese Mariachi Musiker stehen zu Hunderten auf der „Plaza Garibaldi“ und warten, bis sie für eine Feier gebucht werden. Dann geht’s in den Transporter und ab zu den Festlichkeiten.

IMG_0358Mexiko-City hat einiges zu bieten. Mikel Jackson lebt… und tanzt da auf der Straße, die Restaurants sind unheimlich kreativ in der Ausstattung ihrer Räumlichkeiten. Wir nehmen einen Drink auf einer offenen Dachterrasse, auf der man auch gleichzeitig ein Bad in einem „Jacuzzi“ nehmen kann. Handtücher, Umkleidekabinen und Duschen werden vom Restaurant gestellt. Oder finden Restaurants mit 10 Meter hohen „senkrechten“ Graswänden vor, in der in der Mitte ein „waagerechtes“ Fahrrad steht. Verrückt, kreativ, toll. Wir essen typisch mexikanisch und besuchen auf meinen Wunsch hin auch mal die negative Seite der Stadt. Im Stadtteil Tepito traut sich nicht mal die Polizei rein, riesige Märkte mit Raubkopien, Waffen, Drogen und Dealerware. Wir sind da nicht ausgestiegen, nur durchgefahren. Aber das, was man da sieht, reicht vollkommen aus um sich ein Bild vom negativen Mexiko zu machen.

 

mein Geburtstag wird gefeiert, und ich darf mal wieder nicht zahlen

mein Geburtstag wird gefeiert, und ich darf mal wieder nicht zahlen

Wir erleben mit unseren „Reiseführern“ so viele tolle Tage. Wir feiern meinen Geburtstag im großen Kreise mit lauter jungen Mexikanern und können es nicht glauben. Keine 10 Kilometer von der Hauptstadt entfernt machen wir, voll im Grünen, zwischen Schafen und auf 3.600 Metern Höhe ein Picknick. Geländefahren mit Pancho`s „Hummer“, das ist schon ein besonderes Erlebnis und nur eines von vielen. Zusammen mit den beiden, sowie Gusto und Rebecca erkunden wir die extrem engen Wald- und Schotterwege und… Reifenpanne, kein Ersatzreifen dabei, zudem haben die Reifen ein Felgenschloss, aber der Schlüssel dazu fehlt. Und das auf 3.600 Metern Höhe ohne jegliche Zivilisation. Irgendwie geht es aber immer… um 2 Uhr Nachts sind wir wieder im Hotel. Auch ohne Unimog erleben wir hier Abenteuer pur.

Bei so viel tollen Erlebnissen vergessen wir ganz das Erdbeben mit Stärke 6,7, dass uns blitzartig zum Verlassen des Hotels veranlasste. Zusammen mit allen anderen Gästen, Putzfrauen und Küchenpersonal wurden wir am 8. Mai aus dem Hotel gejagt. Die Hotelkiste hat ganz schön gewackelt, nach ein paar Minuten war alles wieder vorbei. Die Mexikaner leben aber damit und sehen das ganze gelassen. So konnten wir bei einer Autofahrt auch miterleben, wie selbst der Radiosender an die Erdbebensensoren angeschlossen ist. Ein ganz bestimmter Pfeifton ertönt da plötzlich im Autoradio und bedeutet… in einer Minute wackelt die Erde. Stehen bleiben… abwarten… weiterfahren. Ganz gelassen nimmt es Pancho und ich scheiß mir dabei fast in die Hose.

VorgelegeUnd wir vergessen dabei fast unseren Unimog, der da zerlegt auf Ersatzteile wartet, die eigentlich schon längst da sein müssten. Schon seit 14  Tagen warten wir darauf, die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass diese auf dem Transportweg verloren gegangen sind. So müssen wir halt noch ein paar Tage länger in dieser Stadt bleiben.. böse sind wir darüber eigentlich nicht. Morgen werden wir eine neue Bestellung absetzen, die deutsche Post, oder besser gesagt DHL hat sich da wieder ein Meisterstück geleistet. Trotz Premium-Bestellung mit einer Laufzeit von 6-8 Tagen sind die Ersatzteile nach 14 Tagen immer noch nicht da.

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Eine Antwort auf Mexiko(7) und plötzlich waren wir wieder in…..

  1. Rolf sagt:

    Die Teile werden schon noch kommen. Nur Geduld, das ist in Mexico nun mal so.
    Liebe Grüße Rolf

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