Kanada(9) nach Norden, bis die Straße aufhört

wir verlassen Winnipeg, die Silberstadt. Silberstadt deswegen, weil hier das Hartgeld, die kanadischen Münzen für das ganze Land hergestellt werden. Zuerst eine Unimog- Stadtbesichtigungs- Tour durch „Downtown“, dann die 4 spurige Ausfallstraße, (4 Spuren führen nach draußen., vier hinein in die Stadt), als plötzlich ein Fahrzeug neben mir, wild hupend und mir mit Gesten andeutend, ich solle anhalten. Gar nicht so einfach auf dieser „Stadt-Autobahn“. Was war geschehen? Habe ich einen gestreift?, die Vorfahrt genommen? Oder etwas verloren oder ist etwas an meinem Unimog?

Der Fahrer kam, nach Stillstand am Seitenstreifen beider Fahrzeuge, ca. 500 Meter in forschen Schritten auf mich zu und meinte: Das Logo auf meinem Auto ist sein „Copyright“, das hat er vor 20 Jahren erfunden und er wolle Geld. Was es nicht alles gibt, ich lachte Ihn herzlich aus und lies in stehen wie einen kleinen Schulbub. Frechheit kann ja manchmal zum Erfolg führen, aber da ist er bei Franz Rank wohl an der falschen Adresse gelandet. Er akzeptierte dann auch meine Haltung.

Wir entscheiden uns kurzfristig, die eigentliche Route zu ändern, fahren einen kleinen Umweg nach Norden, denn wir wollen die sprichwörtliche kanadische Einsamkeit kennenlernen, diese Einsamkeit riechen und spüren. Na ja, klein sieht dieser Umweg nur auf der Landkarte in diesem riesigen Land aus, letztendlich sind es ca. 2.000 Kilometer Umweg geworden. Die „10“ nach Norden, der Verkehr wird immer weniger, die Tankstellen auch (Motorradfahrer bekommen da ernsthafte Probleme), die Straßen immer schlechter.

Und wir haben hier nicht nur wieder Elche und Schwarzbär am Wegesrand gesichtet sondern auch das bekannte kanadische Farmland und diese riesigen Weizenfelder mitsamt der Einsamkeit pur gesehen und gespürt. Es gibt hier, in Central- Kanada,  nur eine Straße nach Norden, hunderte Kilometer lang geradeaus, keine einzige Kurve, man erlebt einfach nichts in dieser Gegend. Da, da hinten, da blinkt was in der Sonne, Kilometer für Kilometer tasten wir uns an dieses „Nichts“ heran, zumindest eine Abwechslung auf dieser monotonen Strecke. Nach zig Kilometern erkennt man dieses „Nichts“, es ist ein Straßenschild „Elche jagen/schießen ist verboten“ steht drauf, das war`s dann auch schon. Dann wieder diese ellenlangen, Kilometer für Kilometer geradeaus Straßen, und immer weiter auf diesen einsamen, monotonen Wegen,  es gibt einfach nichts Interessantes zu sehen. Es gibt kein Internet, es funktioniert kein Handy, sollte mal ein Fahrzeug entgegenkommen grüßt man sich, eine Abwechslung ist das allemal. Leben. Hier leben, nein, das wäre definitiv nichts für uns.

Wir erreichen FLIN FLON, eine kleine Stadt, die immerhin einen Mc. Donalds hat. Ab hier geht es auf Straßen nicht mehr weiter nach Norden. Ab hier ist das Sportflugzeug oder Wasserflugzeug das einzige Verkehrsmittel weiter Richtung Norden. Halt, nicht ganz, es gibt ein paar Schotterstraßen, diese sind allerdings nur im Winter zu befahren, wenn das Eis die morastigen Wege zugefroren hat. Wir nehmen die Teerstraße wieder Richtung Westen, nochmal 1.000 Kilometer „einfach Nichts“ unter die Räder. Es beruhigt dabei ungemein, dass wir am Unimog einen zweiten Tank haben. Spritprobleme gibt es für uns „da oben“ nicht.

Es gibt Moskitos hier in dieser Gegend. Viele, viele Moskitos. Während Inge auf das laut Reiseführer einheimische „OFF“ als Gegenmittel schwört, (das wir hier vor Ort gekauft haben) nehme ich lieber mein „Balistol Waffenöl“. Erfüllt denselben Zweck, stinkt aber nicht so wie dieses „OFF“. Nuttendiesel pur ist da ein Scheiß gegen dieses „Off“ Moskitomittel.

Beim Müll entsorgen am nächsten Morgen auf einem Picknickplatz sind wir dann auf Sand eingesunken, aber mit Allrad war das alles kein Problem, die 11 Tonnen schaufelten sich mit allen vier Rädern wieder frei.

Nach 30 Tagen Reise haben wir mittlerweile die sechste und siebte Provinz Kanadas erreicht/durchfahren, Nummer sechs war die Provinz Saskatchewan, dort auch eine weitere Zeitzonen- Umstellung, und aktuell sind wir in Edmonton in der Provinz Alberta.  Manitoba, Saskatchewan und Alberta sind die sogenannten Prärie- Staaten von Kanada, hier sind Weizenfelder, endlose Weite und Farmer mit Ihren riesigen Anwesen zu Hause. Diese landwirtschaftliche Gegend prägt das Landschaftsbild.

Heute Nacht stehen wir in der Großstadt Edmonton, endlich mal wieder Leben und Menschen nach den Tagen der Einsamkeit. Wir übernachten an einer, ja, was ist das hier eigentlich, Schule, Sportplatz, Belmead Community Center? Auf alle Fälle gibt`s hier „Free Wifi“ und ich spare mir die Gebühren für meinen Hotspot.

in diesem vornehmen Gebäude in Winnipeg werden die Münzen, das gesamte Hartgeld, der kanadischen Währung, hergestellt.

in diesem vornehmen Gebäude in Winnipeg werden die Münzen, das gesamte Hartgeld, der kanadischen Währung, hergestellt.

nach Norden, immer gerade aus

nach Norden, immer gerade aus

willkommende Abwechslung: Das jagen von Elchen ist verboten.

willkommende Abwechslung: Das jagen von Elchen ist verboten.

eine Elchkuh am Wegesrand

eine Elchkuh am Wegesrand

kurz vor Edmonton: Das größte Osterei der Welt ist in Vegreville zu besichtigen

kurz vor Edmonton: Das größte Osterei der Welt ist in Vegreville zu besichtigen

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