Alaska(1) Wir sind in Alaska „Top of the World“

Auf dem Weg von Whitehorse nach Dawson City machten wir einen Abstecher über den „Silvertrail“ nach Mayo und von dort über die 70 Kilometer lange Schotterstraße (mit recht spitzen Steinen) nach Keno mit Besuch des dortigen Silberminen- Museums und des Keno Hills mit herrlicher Rundumsicht. Weiter auf dem Klondike- Highway bewältigten wir die 230 Treppen zur Aussichtsplattform der „Fife- Finger Rappits“ und erreichten nach 2 Tagen Dawson City.

man darf halt nicht blöd sein. Das Ranksche Blut gibts nicht so einfach. Unsere Antwort auf die Moskitoplage

man darf halt nicht blöd sein. Das Ranksche Blut gibts nicht so einfach. Unsere Antwort auf die Moskitoplage

Dawson City: toll, geil, sehenswert. Eigentlich wollten wir nur einen Tag dort bleiben, vier Nächte sind es in dieser tollen Stadt geworden. Hier gibt es keinen Mc. Donalds oder Walmart, alle Häuser sind wie aus den alten Zeiten des Goldgräberrausches aus Holz mit Balkon oder Terasse, die Straßen natürlich staubig, oder wenn es regnet eben schmierig glatt, Saloon und Bonanza Market wie aus den Filmen. Hier treffen wir auch Gerhard und Liane mit Ihrem Doppel- Kabiner Unimog, sowie Klaus mit Frau auch mit einem Unimog. Die vier sind mit ihren beiden Unimogˋs zurück von Inuvik und geben uns Tipps über die Fahrstrecke. Ebenso treffen wir am ersten Abend eine 25 jährige Deutsche, die seit 2,5 Jahren mit Ihrem Fahrrad bereits 33.ooo Kilometer unterwegs und von „unten nach oben“ die Panamericana gefahren ist. Alleine, als Frau, Respekt, Respekt. Kurz vor unserer Unterhaltung wurde sie noch von der Polizei gesucht, weil nur ihr Fahrrad gesichtet wurde, von der jungen Frau keine Spur. Und wo war sie? Sie hat mal eben auf dem Yukon eine Kajaktour gemacht, natürlich alleine, zwischen den Stromschnellen hindurch, die ja ziemlich heimtükisch sind, so die Polizei. Zusammen mit einem Holländer, der schon mit seinem Fahrrad in China und Australien war und ebenfalls den amerikanischen Kontinent von unten nach oben aktuell durchquert, 64. 000 Kilometer auf dem Fahrradsattel hinter sich hat, gibt es eine nette Unterhaltung. Der Holländer outet  sich als Profi mit bis zu 200 Kilometer Tagesleistung. Als ich dem Holländer mitteilte, dass in Inuvik in 6 Tagen ein Kulturfestival mit Tanz und Drums ist, fragte dieser: Wieviel Kilometer sind es nach Inuvik? 800!! 800 in 6 Tagen, das schaffe ich und fuhr los, verrückt, verrückt.

Dawson City

Dawson City

Und wie die Goldgräber nach Ihren Goldfunden früher die Puppen haben tanzen lassen, so finden auch noch heute die Can Can Tanz- Shows statt. Zusammen mit Gerhard und Liane müssen wir uns für eine der 3 Shows entscheiden. Es gibt täglich 3 unterschiedliche Aufführungen, die erste um 20.30 Uhr, dann um 22.30 Uhr eine und die letzte um Mitternacht, je später die Show desto mehr nackte Haut ist zu sehen…. ich war am nächsten Morgen ganz schön müde.

Übernachtet haben wir in Dawson City am Midnight Dome, einem Aussichtsberg mit 360° Rundumsicht. Und wie der Name es verspricht, die Sonne ist hier um 1 Uhr nachts untergegangen, dunkel wird es aber um diese Jahreszeit hier nie. Mit ein paar Bier beobachtete ich die angehenden Straßenlaternen von Dawson um 2 Uhr nachts (warum, keine Ahnung, es wird doch eh nicht dunkel) und genoss den herrlichen Ausblick die ganze Nacht.

Sonnenuntergang weit nach Mitternacht am Midnight Dome, dem Hausberg von Dawson City und gleichzeitig unser Übernachtungsplatz

Sonnenuntergang weit nach Mitternacht am Midnight Dome, dem Hausberg von Dawson City und gleichzeitig unser Übernachtungsplatz

InuvikDemster Highway: Als wir in den legendären Highway einstiegen regnete es bereits und das bedeutete, zusammen mit den Aussagen der beiden Unimogfahrer, schwierige, rutschige Straßenverhältnisse auf diesen 800 Kilometern, davon 740 Kilometer Schotterstraße. Bei Kilometer 240 kam dann noch Nebel hinzu der so  stark wurde, dass man keine 2 Meter mehr sehen konnte. Bei Kilometer 400 trafen wir den holländischen Fahrradfahrer wieder, schwarz gekleidet, wir hätten ihn im Nebel und Regen beinahe übersehen. Er liegt gut in der Zeit, 400 Kilometer in 3 Tagen. Unsere Frage, ob wir Ihn mitnehmen sollen bis zu unserem Schlafplatz, er war total durchnässt, verneinte dieser. So sind sie halt, die Hardliner. Wir wussten, dass auch die Bekannten Franzosen Christian und Sylvie auf dem Dempfster unterwegs waren und auch das englische Paar Steven und Michele mit ihrem MAN Truck, mit denen wir tags zuvor auch in Dawson gesprochen hatten, trafen wir wieder auf dem Dempster. Steven hatte sich bereits einen Schlafplatz gesucht, wir wählten die Versorgungsstation Eagle Plans etwas später als Schlafplatz aus, Christian musste vor uns sein. Am nächsten Morgen war die Straße gesperrt, ein 6 Meter tiefer und 25 Meter langer „Washout“ brachte die Straße zum Einsturz in einen Fluss. Nach Sichtung der Bilder und Gespräch mit den Arbeitern vor Ort war klar, umdrehen ist angesagt, da kommt auch kein Unimog mehr durch. Die Arbeiten dauern laut Ortsansässigen mindestens 10 bis 14 Tage. Ich bat noch die Straßenarbeiter um Suche der Franzosen und des holländischen Fahrradfahrers, denn diese haben keine Verpflegung für 14 Tage dabei. Sie bestätigten mir die Suche, wir drehten um.

auf dem Demster Highway

auf dem Demster Highway

nach dem Demster war eine Wäsche notwendig

nach dem Demster war eine Wäsche notwendig

Top of the World Highway. Der Top of the World Highway verbindet Kanada mit Alaska und das natürlich, wie der Name schon sagt, ganz oben. Highway ist etwas übertrieben, eine Schotterstraße halt, die nur im Sommer geöffnet ist. Das tolle Bergpanorama wird wohl jeder bestätigen, der diese Straße schon mal gefahren ist. Der Grenzübertritt war schnell erledigt, 90 Tage Visum erhalten, einen netten Zöllner hatten wir, das ist ja in Amerika nicht immer der Fall. Er gab uns zudem Tipps wie wir uns verhalten sollen, wenn wir von Kanada in die USA einreisen, um eventuell ein weiteres Mal 90 Tage zu erhalten. In Eagle nehmen wir zwei Tschechen 70 Kilometer im Unimog mit. Sie haben Ihr Kanu außerhalb abgestellt, sind mit dem Fahrzeug nach Eagle gefahren und wollen jetzt in den nächsten 4 Tagen die Strecker auf dem Wasser zurücklegen.

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Chicken hieß eigentlich Ptarmigan (Alpenschneehuhn), das konnten die Goldsucher nicht schreiben/aussprechen und so wurde der Ort in Chicken umbenannt. Chicken besteht aus zwei Zapfsäulen (eine für Diesel und eine für Super) einem Plumsklo, einem Souvenierladen, einem absolut sehenswerten Saloon, einem Hühnerstall, natürlich mit lebendigen Chicken und einem Cafe, das warˋs dann auch. Das eine solch kleine Ortschaft auf allen, ja wirklich allen Landkarten von Nordamerika aufgeführt ist, ist schon erstaunlich. Dies hat sicherlich damit zu tun, dass dies die erste Ortschaft in Alaska nach der Grenze ist. Jeder in Amerika kennt Chicken, jeder macht sich aufgrund Ihrer Größe über diese Ortschaft lustig und es gibt unzählig viele Witze über diese „Stadt“ . Als Susan Wiren aus Philadelphia mit Ihren 3 Töchtern diese Ortschaft vor 21 Jahren kaufte, wusste sie wohl genau was sie tat. Sie baute den Mytos „Chicken“ aus, die Witze wurden regelrecht produziert und heute ist Chicken immer einen Besuch wert. Als ich ankam, saß im Saloon ein Goldwäscher der genüßlich sein Bier trank, neben ihm auf dem Tresen sein Hund, der ebefalls aus dem selben Glas das Bier schlürfte, immer im Wechsel. Ja das ist Chicken. Daneben ein Goldschürfer, der uns stolz seine Tageseinnahmen zeigte, geschätzte 700 $ Gold hat er an diesem Tag gewaschen (um Chicken herum gibt es noch sehr viele Claims mit teils Profesionellen, teils Freizeit- Goldwäschern). Am Abend wurde dann ein Schwarzbär mit bloßen Händen von einem Einheimischen der gleichzeitig auch Wrastler ist, getötet, das Blut war auf dem Free Camping noch sichtbar. Auch das ist Chicken. (Der Typ wurde vom Schwarzbär angegriffen, ein Schuss traf den Bär nicht richtig, keine weitere Munition, dann muss halt die Muskelkraft her).

das ist Chicken

das ist Chicken

Und auch in Chicken wurden wir plötzlich von einem 6 Mann starken Kamerateam gefilmt, alles Profis mit bestem Equipment. Total verrückte Typen, die auf Knien unseren Unimog „anbeteten“, viele Fragen zum Fahrzeug stellten und bis ich begriff um was es hier eigentlich ging, war ich auch schon im US Fernsehen. Eine live Realityshow, die Typen filmen sich selber und alles was sie mit ihren zwei Allrad Toyotaˋs auf ihren Abenteuertouren erleben wird sofort ins Fernsehen gestellt. Bezahlt wird das ganze durch die vielen Aufkleber auf den Fahrzeugen, die immer wieder recht ins Bild gerückt werden. Ja auch die Typen lernten wir nur durch den Mytos Chicken kennen, denn Chicken war auch auf dem Plan der Live Realityshow. Nachts um eins wurden wir dann vor dem Saloon Zeuge eines weiteren Rituals, dem Unterhosen zerschießen. Das Kamerateam wusste von der hauseigenen Kanone, und so wurde die Unterhose mit Zündschnur, viel Schwarzpulver und lautem Knall zerfetzt und eine weitere Trophäe hängt jetzt im Saloon. Der Abend wurde abgerundet durch den Tausch von einer halben Stange Salami und einem Weißbrot gegen eine Fernsehteam Baseballmütze. Ich hatte den 6 Typen den Hunger regelrecht angesehen, sie waren erfreut über das Essen um 2 Uhr nachts.

das Fernsehteam mit Ihren Toyotas

das Fernsehteam mit Ihren Toyotas

Nach Fairbanks gelangten wir über TOK und Delta Junktion. Dort besuchten wir das Ice Museum mit Livevorführungen des Weltmeisters im Eisskulpturen schneiden. Jedes Jahr im März finden hier die Weltmeisterschaften (World Ice Art Championships) statt. Und dann gönnten wir uns noch einen Rundflug mit einem Wasserflugzeug. Ich wollte mal mit so einem Ding das Starten und Landen erleben. Mit Jim fand ich endlich einen erfahrenen Piloten, der das ganze auch noch zum halben Preis machte und somit erschwinglich für unsere Reisekasse.

Flightseeing mit dem Wasserflugzeug

Flightseeing mit dem Wasserflugzeug

Aktuell stehen wir in Deadhorse an der Prudhoe Bay, ganz oben im Norden. Erreichbar nur über den Dalton Highway, ebenfalls eine Schotterstraße, 1000 Kilometer nördlich von Fairbanks, am 70. Breitengrad Nord. Wir sind seit dem Start unserer Reise am 1.5.2013 schon über 20.000 Kilometer gefahren, aber hier beginnt eigentlich erst unser geplantes Vorhaben. Von der Arktis zur Antarktis, von ganz oben nach ganz unten auf dem amerikanischen Kontinent, der Panamericana folgend. Die Füße sind in der Arktis gebadet, morgen geht es gen Süden, und das wird auch so noch einige Zeit bleiben, bis wir unsere Füße in der Antarktis baden werden können.

war schwierig zu befahren, der Dalton Highway an die Arktis

war schwierig zu befahren, der Dalton Highway an die Arktis

 

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