Kanada(16) und ich will kein Farmer werden, auch nicht auf Vancouver Island (Kanada)

von Kitimat, dem „Yellowhead Highway“ folgend, sind wir nach Prince Rupert, direkt am Pazifischen Ozean gelegen, gefahren. Nettes Städchen, vor allem haben wir dort mehrere Weisskopfadler gesehen.

Weisskopfadler in Prince Rupert

Weisskopfadler in Prince Rupert

Dort treffen wir erneut Manfred und Rita. Wir beschließen gemeinsam einen Übernachtungsplatz zu suchen und wählen dafür eine Rest- Area direkt neben der Straße aus. Die Wahl war nicht so gut, direkt gegenüber ist ein Schießstand und der Verkehr ist auch nicht gerade leise, aber was soll`s. Am Abend schauen wir in Ihrem Volvo einen Film über Island an den Manfred und Rita selbst gedreht haben. Respekt, Respekt, toller Film.

Prince Rupert (Kanada)

Prince Rupert (Kanada)

zusammen mit Manfred und Rita auf dem Rest Area Übernachtungsplatz bei Prince Rupert

zusammen mit Manfred und Rita auf dem Rest Area Übernachtungsplatz bei Prince Rupert

Über Prince George und dem 100 Meile House wählen wir die „Sky to See“ Strecke über Whistler nach Vancouver, während Manfred und Rita die Fährverbindung von Prince Rupert nach Vancouver Island wählen, die uns mit 1.200 Can$ zu teuer erschien. Tolle Optik hat diese Fahrstraße, allerdings auch recht bergig mit Steigungen/Gefällen von 18%.

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Erneut zuckt der Unimog, der Durchzug ist gleich Null, über den Pass geht es nur mit 30 km/h. Dieselfilter auf dem Parkplatz raus, daran liegt es diesmal nicht. Nach intensiver Durchsicht stelle ich fest, die Turboladerschelle hat sich verabschiedet, dadurch Druckverlust. Ich quäle mich nach Vancouver. Es ist Samstag und ein verlängertes Wochenende, Labour-Day am Montag, und dazu herrliches Wetter. Dementsprechend viel los. Nach all der Ruhe und Gemütlichkeit ist eine Großstadt vorerst nichts für uns, zumal das Fahrzeug auch nicht richtig läuft. Wir machen Vancouver später, so unsere heutige Entscheidung.

Wir beschließen den aus Deutschland stammenden und vor vielen Jahren ausgewanderten Hans MROSS aufzusuchen. Er hat die einzige Unimogwerkstatt auf dem amerikanischen Kontinent und versteht sein Handwerk. Wir treffen ihn auch am Samstag Mittag in seiner Werkstatt an, der im Vorfeld vereinbarte Werkstatt- Termin am Dienstag früh wird nochmals von ihm bestätigt. Wir machen uns danach zwei schöne Tage, besichtigen einen herrlichen Garten, besuchen einen stark frequentierten Picknickplatz an einem See und einen Wasserfall und nächtigen zwischen Apfelbäumen.

Minters Garden bei Rosedale, eine riesige traumhafte Gartenanlage in Privatbesitz

Minters Garden bei Rosedale, eine riesige traumhafte Gartenanlage in Privatbesitz

Von Dienstag bis Donnerstag wurde dann in der Werkstatt nicht nur die Turboladerschelle getauscht (baute Hans Mross von einem neuen Motor ab), sondern auch alle Öle gewechselt (Motor, Getriebe, Vorgelege, Differenzial- und Ausgleichsgetriebe), sowie das Hydrauliköl aufgefüllt, das, warum auch immer, um 17 Liter reduziert im Tank war. Das Quietschen im Federspeicher konnte abgestellt werden, Türschloss auf der Beifahrerseite funktioniert jetzt wieder richtig, zwei Dachfenster wurden zumindest professorisch abgedichtet und die Reifen unter Mitverwendung der Reservereifen wiederum gewechselt. Die Fehlerursache des nicht mehr funktionierenden Rücklichts wurde in einem Defekt im Kabelbaum analysiert, ersatzweise nahmen wir das Pluskabel der Anhängersteckdose, denn die Suche im Kabelbaum wurde einfach zu aufwendig. Bei der Bremsenreparatur in Fairbanks wurde gepfuscht, auch das wurde behoben, indem wir die Bremsenstifte richtig montierten. Und zum Schluss wurde noch der Wasserabscheider umgesetzt damit wir besser auch den darin befindlichen zweiten Diesel- Vorfilter ohne das Kippen des Fahrerhauses wechseln können.

Fahrerhaus kippen und.....

Fahrerhaus kippen und…..

los gehts

los gehts

Und weil der Hans mittlerweile so bekannt ist stehen außer mir auch Bernhard und Annemie aus Belgien auf dem Hof. Die beiden hatten die Adresse von mir in Whitehorse bekommen, als wir sie vor 8 Wochen das letzte Mal gesehen haben. Gerhard und Liane mit ihrem Doppelkabiner- Unimog tauchen auch plötzlich hier bei Hans auf, genauso wie Rolf und Ingelore mit ihrem MAN. So wurde aus dem Werkstattareal ein Campground, recht lustig, alle haben mitgeholfen, jeder hilft jedem, und am Abend wurden die Campingtische zu einer Tafel aufgebaut.

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Nach Besichtigung von Vancouver mit seiner tollen Waterfront und dem historischen Gastown ging es dann auf Vancouver Island. Dort wurden wir durch lautes Klopfen am ersten Morgen auf einem Supermarktparkplatz geweckt. Volkhard und Siegrid sind vor 50 Jahren ausgewandert und haben uns auf Ihre „Farm“ eingeladen. Sie wollen uns dort Tipps über die Insel geben. Wir fahren auf die Farm, Smalltalk im absolut aufgeräumten Wohnhaus, die Putzfrau ist anwesend und macht für alle Tee. Anschließend zeigte Volkhard uns sein Anwesen. Nein, ablaufen kann man dieses riesige Areal nicht, mit dem ATV, hinten zwei Strohballen drauf für die Damen, wird es abgefahren. Die vielen Kühe, Pferde und Lama sind nur Nebenerwerb, mit der Recyclingfirma werden Baumwurzeln angenommen und für die Entsorgung bekommt man Geld, genauso für die Fischabfälle die ebenfalls als Recycling gewinnbringend angenommen werden. Durch mehrmaliges Schrettern der Baumstümpfe und lagern über Jahre hinaus mit wöchentlicher Vermischung und Umgrabung wird Humus hergestellt, wobei die Fischabfälle durch Beimischen für den Sauerstoff sorgen. Mit dem Verkauf des Humus wird also drei mal Geld verdient. Ich war baff.

die Skyline von Vancouver

die Skyline von Vancouver

wir parken natürlich "Downtown" zwischen den Hochhäusern in Vancouver

wir parken natürlich „Downtown“ zwischen den Hochhäusern in Vancouver

140 Arces ist das Anwesen groß. Googelt mal vieviel qm das sind. Ich war erneut baff. Genauso erstaunt war ich, wie Volkhard zu diesem Anwesen gekommen ist. Als Reisender mit dem VW Bus hat er den Vorbesitzer kennen gelernt. Dieser wollte sein Geschaffenes weiter entwickelt sehen und hat es auf Volkhard übertragen und dabei sogar die erste und zweite Hypothek übernommen. Und genauso möchte es jetzt der über 70 jährige Volkhard machen. Da kommt einer mit einem Unimog doch gerade recht, dachte er sich und das war auch der eigentliche Grund der Einladung. Nein, ich will kein Farmer werden…., auch nicht auf Vancouver Island und schon gar nicht mit soviel Grund und Boden… das ist ja mit Arbeit verbunden.

die Farmer Volkard und Sigried

die Farmer Volkard und Sigried

Drei Tage später erhalte ich wiederum eine Einladung auf eine Farm in Port Albani. Ich lehne dankend ab und gehe erst gar nicht hin, denn ich will kein Farmer werden.

Auf dem Weg an die Nordspitze der Insel nach Port Hardy müssen wir in Woss an der einzigen Tankstelle im Umkreis von 100 Kilometer tanken. Während ich den Zapfhahn auf „Automatik füllen“ stelle schaue ich mich an der Tankstelle nach Frischwasser um, denn auch dieses ist leer. Als ich zurück an der Tanke bin traue ich meinen Augen nicht. Unser „kleine“ Tank fasst 160 Liter, war aber noch über 1/4 voll. Wie kann man in diesen Tank 175 Liter tanken? So steht es zumindest auf der Zapfsäule. Meine Beschwerde beim Tankstellenbesitzer wurde mit den Worten beantwortet: Unsere Zapfsäulen werden staatlich geprüft, das kann überhaupt nicht sein, dass diese zuviel anzeigen. Mir wurde es jetzt zu bunt, rein in den Tankshop und einen 20 ltr. Reservekanister geholt: Bitte 20 Liter einfüllen, an genau der Zapfsäule, wo ich gerade getankt habe. Der Besitzer staunte nicht schlecht als der Reservebehälter gerade mal halb voll war. Ich bezahlte nur 100 Liter und machte somit auch noch ein gutes Geschäft. Ich kenne diese manipulierten Zapfsäulen noch von Ost- Anatolien, aber das dies mittlerweile auch in Kanada anzutreffen ist?

Wir fahren auf der Insel an die Mouchalaht Lake Recreation Site. Ein Geheimtipp, den uns Rolf noch beim Abschied der Schrauberwoche bei Hans gegeben hat. Wellblechpiste, Schotter, Schlaglöcher, aber es hat sich gelohnt. Wir verbringen die wohl schönsten zwei Tage auf unser bisherigen Reise. Unabgesprochen sind Gerhard, Liane, Rolf und Ingelore auch an diesem tollen Ort. Gibt es was schöneres, als bei herrlichen Sonnenschein  in einem Natursee zu baden und den Abend am Lagerfeuer direkt am See beim Fachsimpeln über Drehmoment, Pferdestärken und dem perfektem Expeditionsfahrzeug zu verbringen?

am Mouchalat- See

Heute stehen wir in Victoria auf Vancouver Island, morgen wollen wir Kanada verlassen und nach USA übersetzen. Wir wählen dabei bewusst den kleinsten Grenzübergang nach Port Angeles, denn wir scheuen schon den Immigration Officer mit seinen doofen Fragen. Den Berichten anderer Reisender zufolge hat an diesem kleinen Grenzübergang die USA Immigration die Freundlichkeit der kanadischen Grenzbeamten angenommen weil sie im selben Gebäude sitzen. Wir werden sehen. Was haben wir da schon alles für Schauergeschichten gehört.

Und so langsam müssen wir eine Lösung für ein weiteres Problem finden. In 23 Tagen läuft unsere 90 Tages-Aufenthaltsgenehmigung für die USA aus, die mit der Einreise nach Alaska am 12.Juli begonnen hat. Ein „Overstay“ kommt für uns nicht in Frage, dies kann mit 10 Jahren Einreiseverbot bestraft werden.

Was also tun, wir haben mehrere Lösungen uns ausgedacht. 1: „Heimaturlaub„. Das war unser ursprüngliches Ziel, finden wir aber mittlerweile doof. Eine Rückkehr nach 4,6 oder 8 Wochen in die USA/Kanada würde bedeuten, dass wir im Winter die USA besichtigen müssten. 2: „für 1-3 Tage nach Island ausfliegen“. Dies ist zwar mit dementsprechenden Kosten verbunden. steht aber in der engeren Wahl, da  eine Ausreise in ein nicht nordamerikanisches Land zu einer weiteren 90 Tages Aufenthalts-genehmigung berechtigt. Leider zählen Kanada und Mexico zu Nordamerika 3: „8 Tage Segelurlaub auf den Galapagos“ Auf so dumme Ideen kommt man halt, wenn man ständig eine Weltkarte als Bildschirmabdeckung im Unimog hat. Dies wollten wir ursprünglich erst ab Equador machen, aber vielleicht jetzt vorziehen um das USA Problem zu lösen? 4: „Durchfahren bis Mexiko“ zuerst Mittelamerika (oder zumindest Guatemala= nicht Nordamerika) besuchen und dann zurück in die USA mit neuer Aufenthaltsgenehmigung. 5: „Aussitzen in Kanada“ Normalerweise geht dies nicht, denn Kanada = Nordamerika. Wenn wir aber die USA wieder Richtung Kanada verlassen und unsere jetzige Aufenthaltsgenehmigung mit der Begründung abgeben: Wir wollen heim nach Deutschland verschiffen und es uns dann doch anders überlegt haben?? Wir haben  von anderen Reisenden gehört, dass es bei diesen funktioniert hat. Also in Kanada warten bis unsere Aufenthaltsgenehmigung für USA am 9.10. ausläuft und am 10.10 erneut in die USA einreisen. Wir müssen noch ein bisschen überlegen was die beste Lösung für unser Aufenthaltsproblem ist.

heute gibts Hänchenbrustfilet auf Spinat in Sahnesoße mit Käse überbacken.

heute gibts Hänchenbrustfilet auf Spinat in Sahnesoße mit Käse überbacken.

 

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Eine Antwort auf Kanada(16) und ich will kein Farmer werden, auch nicht auf Vancouver Island (Kanada)

  1. Siggi, Uschi,Gerhard, Günter, Herbert sagt:

    Hallo Ihr

    schöne Grüße von der Carat-Messe und Liqui moly Stand
    Wir müssen hier schuften.
    Wir schauen weiter….
    Gruß
    von von ALLEN

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