USA(6) Viva la Mexico – und auf geht`s ins Tequilla- Land

Auf dem Rückweg von unserem Besuch in St. Louis nach La Junta in Colorado sind die Nächte wiederum kalt. Wir vermeiden das Abwasser in die Abwassertanks zu lassen, arbeiten mit Eimern und Schüsseln und hoffen auf kein Einfrieren des Wassers in den Tanks/ Rohren bis dieses Problem gelöst ist.

Bei Rob in seiner Unimogwerkstatt in Colorado angekommen bin ich zunächst ziemlich verärgert. Keines der vor 12 Tagen bestellten Ersatzteile ist angekommen, weder die Reifen noch die 24V- Heizkabel für die Abwasserrohre. Begründet wird dies mit „Eisregen“ in Texas und deren dadurch entstandenen Frachtproblemen sowie den Feiertagen von Thanksgiving und weiteren „Ausreden“. Wir erahnen es bereits, 2-3 Tage sind eingeplant, es sollten letztendlich 10 Werkstattaufenthaltstage werden.

O.K., wir können „im Warmen“ in der Werkstatt übernachten, haben den Schlüssel für die Halle, Strom und Wasser, das Angebot eines der rumstehenden Fahrzeuge zu nutzen und stehen somit zwischen Lamborgini, Harley und Oldtimer und haben ja eigentlich auch Zeit und keine Eile, aber uns zieht es ja nach Süden. Wir wollen Weihnachten in Mexico am Strand unter Palmen verbringen.

repariert wird zwischen Lamborgini, Harley und Oldtimer

repariert wird zwischen Lamborgini, Harley und Oldtimer

Wir preparieren und bereiten das Fahrzeug für den zweiten Teil unserer Reise nach Zentral- und Südamerika vor, wechseln das Motoren- und Vorgelegeöl, Ölfilter, Diesel und Dieselvorfilter. 22.000 Kilometer haben wir „nur in den USA“ zurückgelegt, da ist dieses Öl- und Filterwechseln auch schon wieder an der Tagesordnung, obwohl wir dies erst vor nicht mal 3 Monaten erledigten. Zudem sieht die Brems- und die Kupplungsflüssigkeit ziemlich schwarz aus, also raus damit und neue Flüssigkeit rein. Die insgesamt 12 Bremsbeläge, (Doppelbremssättel auf der Vorderachse) sind zwar noch gut für ca. 20.000 Kilometer, aber wir tauschen diese und nehmen die gebrauchten als „Spare Parts“ mit, denn wir wollen nicht gerade in 4.000 Metern Höhe in Südamerika den Belagtausch vornehmen. Zum Kundendienst zählen wir auch das Auswechseln von 3 Spannrollen die Geräusche machten, sowie das mit dem Spannrollentausch verbundene Erneuern von insgesamt 5 Keil- und Breitbandriemen, die in den nächsten Monaten sowieso fällig wären und zudem leichte Risse aufweisen. Auch hier bleiben die „Alt“- Riemen bei uns als Ersatzteile im Unimog. Das Beschaffen dieser Riemen, in Deutschland eigentlich „Peanuts“ und innerhalb eines Tages erledigt, stellt sich in den USA nicht ganz so einfach heraus. Ein Riemen wurde über Amazon bestellt und kam per Luftfracht aus Israel, 2 weitere aus Kanada und die anderen aus 2 verschiedenen USA Stützpunkten, der Preis für Mercedes-Ersatzteile in USA, ungefähr doppelt so teuer als in Deutschland. Der linke Sockel des Hauptlichtes hat sich mit der Glühbirne verschmolzen. So was habe ich noch nie gesehen, also wurde aus einem Schrottauto der Sockel entfernt und in den Unimog, samt neuer H4 Lampe eingebaut. Der Turbolader wurde zerlegt, um das immer wieder auftretende Geräusch zu prüfen, das Lenkspiel wurde eingestellt, der Filter im ATF Lenköl ausgetauscht.

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Die etwas schwierigeren Arbeiten waren das Abdichten des Getriebes. Der erste Versuch gelang nur bedingt und unbefriedigend. Man muss schon etwas Glück haben, aber Rob hatte genau so einen rückwärtigen Getriebedeckel in seinem Lager, denn wir hatten einen nicht mehr plan anliegenden und verzogenen Gehäusedeckel aus Alu als Fehlerursache der Undichtigkeit analysiert. Die Heizkabel sind mittlerweile eingetroffen, die außen liegenden Rohre wurden damit umwickelt und zusätzlich isoliert, ein durch Frost aufgebrochener Wasserschlauch wurde erneuert. Die Außentreppe machte immer wieder beim ersten Tritt seltsame Geräusche. So haben wir diese zerlegt und den Fehler in einer „gedehnten“ Kette gefunden. Ich hatte hier eine Ersatzkette dabei, das Problem konnte somit schnell erledigt werden.

Ich weis nicht was die Ingenieure von Mercedes bei der Materialfestlegung immer wieder denken, aber Plastik und Motor, dass passt in meinem Hirn einfach nicht zusammen. Nicht nur 2 Plastik- Dieselfilterdeckel musste ich bereits erneuern, jetzt stellten wir auch noch einen undichten Ventildeckel, natürlich aus Plastik, fest, der sich aufgrund der Hitze von langen Autobahnfahrten verzogen hatte und Ölverlust im Mototorraum verursachte. Natürlich wurde dann auch gleich, wenn schon mal „offen“, das Ventilspiel überprüft. Unser Glück dabei: Mercedes hat „Frightliner“ übernommen mit dem Ziel Mercedesmotoren in diese bekannte USA- LKW Marke einzubauen. Die Ersatzteile liegen bereits in USA und so konnten wir für 250 $ USD einen neuen Ventildeckel relativ schnell beschaffen. Und bei deren Montage und einem Blick auf das linke Vorderrad sichtete ich dann auch noch ein undichtes Vorgelege. Ich dachte eigentlich, dieses bekannte Unimog-Problem, immer nur links, sei mit den starken Achsen der 737.200-er Reihe erledigt, aber jetzt hatte es auch mich erwischt. Das waren dann nochmal 7 Stunden Arbeit um den Inneren- und äußeren Simmering zu wechseln. Gott sei Dank wurde dies hier bei Rob und nicht erst in Südamerika festgestellt, denn hier waren die Spezialwerkzeuge vorhanden um diesen Austausch vorzunehmen, die Ersatzteile dafür hatte Rob in seinem Lager. Und da für diesen Zweck unter anderem die Bremsscheibe v.l. demontiert werden musste, hatte der Werkstattbesitzer auch gleich die Idee: lass uns die Bremsscheiben auf die Reifenmontagemaschine spannen und die Außenränder bei drehender Maschine abschleifen, was wir dann aufgrund der Wartezeit von weiteren Ersatzteilen auch bei den anderen Scheiben erledigten.

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Das neue Auspuff-Flexrohr, erst vor 2 Monaten eingebaut, war an der Umbördelung schon wieder abgerissen. Wir lösten das Problem indem wir die Umbörderlung abflexten, extrem mit Schweißbrenner erwärmten und mit einem Reifenmontageflansch, der zufällig den selben Durchmesser hatte, diese Aufbördelung durch Einklopfen wieder herstellten.

Während der Wartezeit auf die Ersatzteile hatten wir dann auch noch genügend Zeit für das „nicht Dringliche“. Inge reinigte das Fahrzeug mal recht gründlich, sogar die Siphons konnten ausgebaut und mal richtig durchgespült werden. Wir beschäftigten uns mit dem Verstärken der Schmutzfänger, die bei Starkwind immer wieder abrissen und konnten sogar, dank des Equipments bei Rob, die Radkappen sandstrahlen und lackieren; die Schotterfahrten und deren Steinschläge haben daraus einige Farbabplatzer verursacht. Im Innenbereich wurden einige „Sachen“ erledigt, zudem Rücklichtlampe erneuert, Seitenmarkierungen repariert und im Verteilerkasten konnten durch Korission kontaktlose Kabel wieder erneuert werden, nur die Anlieferung der 6 bestellten neuen Reifen verschob sich von Tag zu Tag.

Mit dem 10 Arbeitstag trafen dann auch endlich die Reifen ein, ein Ventileinsatz musste noch zeitaufwendig ausgebohrt werden und so konnten wir am späten Abend eine 200 kilometerlange Probefahrt machen, alles funktionierte, das Getriebe scheint dicht zu sein, keine weiteren Auffälligkeiten….. bis zum nächsten Morgen. Was ist den das da für eine Pfütze? Der Wasserabscheider hat die Kälte anscheinend nicht überlebt und sich im einem Riss im „Plastik“- Gehäuse mit auslaufendem Diesel bemerkbar gemacht. So bauten wir, wir wollen jetzt endlich los und nicht weitere Tage auf Ersatzteile warten, aus einem gebrauchten Unimog U 500 den Wasserabscheider aus und bei mir ein. Jetzt habe ich sogar einen Abscheider mit Pumpe und sogar beheizt, dass wollte ich eigentlich schon immer, denn jeder, der Dieselfilter wechselt, kennt das Problem „ohne“ Pumpe. Der Preis für dieses Teil war aber auch, ich sage mal, nicht marktgerecht, wie eigentlich alle Ersatzteile in USA die ich benötigte.

Absolut fair in Stundenanzahl und Stundenpreis war aber dann der Werkstattinhaber Rob Pickering, da waren wir mit der Arbeit bestens zufrieden. 5 Sterne für diese Werkstatt. Und Rob wollte dann auch gleich mit nach Mexico; er hatte sich schon seinen Platz als blinder Passagier rausgesucht. Zwei  noch gute Reifen waren zu schade zum wegschmeißen, also rauf aufs Dach. Da finde ich sicherlich in Mexico einen Abnehmer.

Der Werkstattbesitzer Rob hat eine bestens ausgestattete Reparatur- Werkstatt und man kann Ihn getrost als Unimog-Spezialist bezeichnen

Der Werkstattbesitzer Rob hat eine bestens ausgestattete Reparatur- Werkstatt und man kann Ihn getrost als Unimog-Spezialist bezeichnen

Am selben Tag ging`s dann weiter Richtung Süden. Beim Tanken im USA- Staat New Mexico ging dann mal wieder die Kreditkarte direkt an der Zapfsäule nicht und ich lies, wie schon so oft, den gewünschten Betrag von 120 $ an der gewählten Säule freischalten um später im Shop der Tankstelle zu bezahlen. Hier erwartete mich dann ein Tankwart mit den Worten: Ich habe versehentlich 300 $ anstatt 120 $ getippt und ich solle doch, bitte schön, beide Belege unterschreiben. Um mein Misstrauen zu entkräftigen zeigte er mir auch gleich eine Gutschrift, ebenfalls über 300 $, die ich auch unterschreiben solle, somit heben sich ja die 300 $ Berechnung und Gutschrift wieder auf. Ich schaute Ihn an, öffnete meine Augen ganz weit, mein linker Unterarm ging nach oben, die Handfläche drehte sich nach innen und, ich weiss auch nicht warum, auf einmal streckte sich auch noch mein Mittelfinger nach oben. Er hats kappiert und verabschiedete mich: o.k. Sir, have a nice Day. Er hat`s halt mal probiert. Die Absicht war klar: Gutschrift und der unterschriebene kleinere Tankbeleg landen im Papierkorb, der erhöhte Beleg mit Unterschrift und selber Transaktionsnummer wird eingereicht und ich habe keine Change mehr den Differenzbetrag erstattet zu bekommen, da ich ja den Beleg unterschrieben hatte.

Auf dem Weg nach Mexico haben wir den White Sands Nationalpark besucht. Eine riesige Fläche mit schneeweissem Sand.

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Nein, es ist kein Schnee, nur Sand. Das einzige was hier gemeinsam ist ist der Scheepflug, denn der ist notwendig um die Straßen in diesem Park täglich vom Sand freizuhalten. Die noch vor Tagen mit Minusgraden und Schnee bedeckte Landschaft ist auch jetzt wieder vergessen, T-Shirt und kurze Hosen sind angesagt. Wir fahren im Süden der USA nahe der mexikanischen Grenze und hier sind sie dann auch anzutreffen, zehntausende der „Snowbirds“. So werden Sie genannt, die USA und Canada- Rentner mit Ihren 15 Tonnen und 20 Meter langen Wohnmobilen und jeweils einem PKW im Schlepptau, die in den Wintermonaten hier überwintern.

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In Tuscon ist der größte Flugzeugfriedhof der Welt beheimatet. Wir wundern uns, dieser ist fast mitten in der Stadt, es kommt uns gerade so vor als wurde diese Stadt um diesen Airplanefriedhof herumgebaut.

Kilomterlang, Reihe an Reihe stehen Sie da, die ausrangierten Jumbos von Militär und privaten Fluggeselschaften

Kilomterlang, Reihe an Reihe stehen Sie da, die ausrangierten Jumbos von Militär und privaten Fluggesellschaften

Mit den Saguaro Nationalparks East und West haben wir unsere Besichtigungen in den USA abgeschlossen. Während der Ostpark die höheren Kakteen hat, ist der Westpark durch seine Vielzahl von diesen stacheligen Bäumen bekannt.

DSC07628 DSC07611 DSC07675 Kaktus

Es gebe noch so viel zu sehen, das bekannte Tombstone mit seinen interessanten Friedhof mit Grabaufschriften aus früheren Zeiten: „versehentlich erhängt“ und weiteren kuriosen Einschriften, oder man könnte auch das Raketentestgelände der USA besichtigen, das weltweit größte Raumfahrtmuseum und und, und. Aber das Land ist einfach viel zu groß und unser Ziel ist die Panamericana und da ist die USA nur ein kleiner Part davon. Wir müssen dies einfach akzeptieren und machen uns auf nach Mexico.

Wir erreichen am 18.12. die mexikanische Grenze und wählen den kleinen Grenzübertritt bei Tecate als Einreise aus. Kurz davor aber nochmal Schock. Immer wieder sporadisch hatten wir einen Gummigeruch im Fahrzeug und immer, wenn ich angehalten habe, war dieser verschwunden. Ich schob dies zuerst auf die neuen Reifen. 5 Kilomter vor der Grenze öffnete ich aber dann doch die Motorhaube. Und was sehe ich da: einer der beiden Doppelkeilriemen für den Wasserpumpenantrieb war weg, einfach verschwunden, der andere hatte nur noch die halbe Dicke, also eine Frage der Zeit, wann dieser ebenfalls sich verabschieden würde. Bei der Ursachenforschung stellte ich dann eine Riemenscheibe fest, die am Metallgehäuse schliff, somit die Umdrehungen der Riemen immer wieder blockierte und die Riemen zur extremer Abnutzung, oder zum Abriss brachte. Ich hatte die „alten“ Riemen ja als Ersatz mitgenommen, also den Unterfahrschutz weg und während Inge die beiden Keilriemen von oben auf die Riemenscheiben hiefte, machte ich dies unter dem Auto liegend. Riemen richtig gespannt, Riemenscheibe ist jetzt wieder freigängig, ab gehts nach Mexico. In der Hoffnung, dass uns die Statue des unteren Bildes weniger Fahrzeugprobleme beschert als dies für den ersten Teil der Reise in Nordamerika der Fall war.

auf der Fahrt nach Ensenada in Mexico. Hoffentlich bringt uns diese übergroße Statue etwas mehr Glück

auf der Fahrt nach Ensenada in Mexico. Hoffentlich bringt uns diese übergroße Statue etwas mehr Glück

 

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Eine Antwort auf USA(6) Viva la Mexico – und auf geht`s ins Tequilla- Land

  1. Gerhard Hreschan sagt:

    Hallo Ihr Zwei
    Zuerst frohe Weihnachten und ein neues Jahr ohne Trabbel auf Deinem Bin Tor.
    Wie ist den nun der Plan? Wann seid Ihr wieder auf deutschem
    Boden. Ich bin den ganzen März unterwegs. Wir freuen uns schon
    sehr aufs Wiedersehn mit Euch
    Gabi und Gerhard

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